Archiv

Norwegen

Norwegen ist ein auf der Halbinsel Skandinavien gelegener Staat, der an Schweden und Finnland angrenzt. Die norwegische Staatsform entspricht einer konstitutionellen Monarchie, die durch ein parlamentarisches Regierungssystem gestützt wird und als Königreich Bezeichnung findet.

Das Staatsgebiet ist durch viele Hochebenen und Gebirgsketten gezeichnet, die viel Platz für den Neubau von Stauseen und Wasserkraftwerken bieten.

Seit 1971 hat Norwegen sich durch die Erschließung gewaltiger Öl- und Gasvorkommen zu einem der Reichsten Staaten in Europa entwickelt. Während andere Länder von einer Pro-Kopf-Verschuldung sprechen, kann Norwegen auf ein enormes Finanzguthaben zurückgreifen. Die ständig weiter gestiegenen Ölpreise der vergangenen Jahre haben viele Milliarden in die norwegischen Staatsfonds fließen lassen. Und die Staatskasse füllt sich immer weiter, jedoch hat diese Medaille auch eine Kehrseite. Die gesparten Finanzmittel können nicht einfach ausgegeben werden und ganz besonders nicht in Norwegen.

„Unser Wirtschaftssystem würde zusammenbrechen“, erklärte Energieministerin Thorhild Widvey während eines Interviews dem Focus in 2005.

Um die norwegische Wirtschaft zu schonen, werden die Ölmilliarden für spätere Generationen angespart und nur wenige Prozent davon ausgegeben. Anfang 2010 flossen erneut 76 Milliarden Euro in den Staatsfonds, der damit einen Wert von 329 Milliarden Euro erreichte.

Genau dieser Reichtum führt dazu, dass Norwegen nicht der Europäischen Union beitreten wird. Die Bürger können auf ein prall gefülltes Sparschwein blicken und wollen nicht, dass der Staat solidarisch für Staatsverschuldungen anderer Länder aufkommen muss.

Das Geschäftsmodell „Norwegen“ hat jedoch ein großes Problem, die konventionelle Energiequelle Öl steht den Norwegern nicht dauerhaft und unbegrenzt zur Verfügung. Experten gehen davon aus, dass bisher nur zwei Drittel der Ölvorkommen wirklich zu Tage gefördert wurden, die restlichen Ölreserven jedoch ökonomisch nicht zu erschließen sein werden.

Norwegen muss daher umdenken und an alternativen Einkunftsmöglichkeiten arbeiten. Ein möglicher Weg führt dabei über die Wasservorkommen des Landes und lässt diese mit Hilfe der vielen Gebirgsketten und Anhöhen zu Wasserspeicherkraftwerken werden. Es besteht daher die Möglichkeit, dass Norwegen sich in den nächsten Jahren zu einer riesigen Speicherbatterie Europas entwickeln wird. Dies hieße dann, dass die jeweiligen Strommärkte ihre Überproduzierten Strommengen zu günstigen Preisen an Norwegen verkaufen und diese zu einem höheren Preis bei Bedarf zurück erwerben. Ob das ganze wirklich ökologisch ist darf angezweifelt werden. Der Bau von Speicherkraftwerken ist auch mit einem gewaltigen Eingriff in die Natur verbunden. Hinzu kommt, dass bereits produzierter Strom durch gewaltige Überseekabel fließt und während dieser Überführung bereits 7 bis 10 Prozent seiner Energie verloren gehen. Ein direkter Strombezug vom Atomkraftwerk ist daher mit Sicherheit ökologischer!

Nach Ausbeutung seiner Ölfelder, wird Norwegen künftig sicher nicht nur auf die Einfuhr von Strom aus Erneuerbaren Energien setzen und so auch Atomstrom aus anderen Ländern in Wasserkraft verwandeln. Sehr ärgerlich für ökologisch orientierte Bürger, die diesen Strom dann mit guten Gewissen verbrauchen.

Ein Beispiel für ein solches Handelsprojekt ist die norwegisch-niederländische Kabelverbindung NorNed. Bei diesem HGÜ-Kabel steht fest, dass ein überwiegender Teil des Stromes aus Atomkraftwerken stammt. Das Kabel wurde im Jahr 2008 durch den norwegischen, staatlichen Netzbetreiber Statnett und die niederländische TenneT in Betrieb genommen. Einer Investition von 600 Millionen Euro standen bereits nach vier Monaten Erträge in Höhe von 70 Millionen Euro gegenüber. Die Attraktivität der Spekulationsgeschäfte mit dem Strom haben dazu geführt, dass bereits Kabel zwischen Dänemark und Schweden (Konti-Skan), Norwegen und Dänemark (Cross-Skagerrak) liegen und weitere Kabel zwischen den Niederlanden und Großbritannien (BritNed),  den Niederlanden und Dänemark (Cobra Cable) und Deutschland und Norwegen (NorGer) in Planung sind.

Für die Verbraucher wird es durch die Stromüberführungen immer schwieriger den Ursprung ihres Stromes nach zu vollziehen.

Hinterlasse eine Antwort