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Kritik am NorGer Projekt

Die Planungsunterlagen zum Raumordnungsverfahren sind nicht sehr transparent. Darin werden viele der entscheidenden Details eher beiläufig erwähnt oder gar hinter Attraktivitätsaspekten versteckt. Die Unterlagen zeigen z.B. das Abbild einer Konverterstation, wie sie in Moorriem bei Elsfleth auf der grünen Wiese gebaut werden soll. Vielen Lesern entgeht jedoch, dass es sich bei der Abbildung nur um das einfache Schema dieser Anlage handelt. Es wird also eine doppelte Ausführung dieser Konverterstation gebaut, die weitaus größer sein wird als das aufgeführte Modell. In sämtlichen Unterlagen finden Aspekte zur Beschönigung des NorGer Projektes Platz zur mehrfachen Nennung und verwischen für Interessierte die Realität.

Viel Kritik musste sich deshalb auch Dr. Matthias Hochstätter während der öffentlichen Diskussionsveranstaltungen anhören. So z.B. auch während einer Veranstaltung im August im „König von Griechenland“, einem Restaurant in Ovelgönne bei Brake.

Viele vom Projekt betroffene Bürger aus Moorriem und der gesamten Wesermarsch waren zu diesem Zweck angereist und bekamen die Möglichkeit ihre Fragen an die Vertreter des Konsortiums zu stellen. Im Verlauf der Veranstaltung musste sich der Pressesprecher weitere heftige Kritik anhören, da er zeitweise nur auf eine von drei vorgebrachten Fragen einging und so viele Informationen einfach ausblendete.

Für die Bürger war es insbesondere wichtig zu erfahren, weshalb die NorGer KS sieben Einspeisepunkte untersuchte, zwei als besonders günstig erachtete und aufgrund der Netzanschlusszusage für ein noch nicht in Betracht gezogenes Umspannwerk, wieder verwarf.

Der Stromnetzbetreiber TenneT hatte dem Konsortium einen Einspeisepunkt in Moorriem genannt, an dem es derzeit noch gar kein Umspannwerk gibt. Für die Kritiker scheint es, als wäre das Überseekabelprojekt eine Rechtfertigung zum Bau des Umspannwerkes Moorriem. Wichtig zu wissen ist auch, dass einer der zuvor in Betracht gezogenen Einspeisepunkte, und laut NorGer der günstigste, das Umspannwerk in Höhe des Kernkraftwerkes Unterweser gewesen wäre.  Obwohl die Laufzeitverlängerung der Atommeiler erst im September beschlossen wurde, hatte Tennet bereits zuvor diesen Einspeisepunkt ausgeschlossen ohne eine genaue Begründung zu geben.

Zum Ärgernis der Bürger war Tennet zu diesem Zeitpunkt zu keinerlei Stellungnahmen bereit und Dr. Hochstätter konnte auch keine genauen Auskünfte geben. Erst viel später wurde von Tennet vorgebracht, dass das Netz um das Kernkraftwerk völlig ausgelastet sei und das NorGer-Kabel daher 50 km weiter ins Land verlegt werden müsse. Man bedenke, dass die Übertragungskapazität des HGÜ-Kabels 1.400 MW sein wird, was exakt der Einspeiseleistung des AKW Unterweser entspricht.

Die Einspeisung am AKW Unterweser wäre nach dessen Abschaltung ohne großen Eingriff in die Natur möglich gewesen.

Für die Bürger ist es nicht hinnehmbar, dass die riesige Konverterstation und das Umspannwerk, in der dörflichen Idylle gebaut werden soll!

NorGer schien, trotz der zu erwartenden – weitaus höheren Kosten für die zusätzliche 50 km lange Verlegung über Land, keinerlei Einwände gegen diesen Einspeisepunkt zu haben und konnte auf der Veranstaltung in Ovelgönne auch keine Gründe für die Haltung der Tennet B.V. nennen.

Weitere heftige Kritik musste sich Dr. Hochstätter anhören, weil der Weg der NorGer nur über die Behörden führte, statt sich auch Direkt an die betroffenen Bürger zu wenden. Das Raumordnungsverfahren wurde schließlich bereits am 14. Juni 2010 eingeleitet.

Während die Bürger ihre Einwände gegen das NorGer Projekt nur bis zum 01. September 2010 in das Raumordnungsverfahren einbringen konnten, fand die erste öffentliche Informationsveranstaltung erst zwei Tage zuvor, am 30. August statt.

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